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Not macht erfinderisch. Dieser Grundsatz gilt wohl auch für so manche neue Stilblüte in unserer Alltagskommunikation. Ich muss zugeben: im ersten Moment habe ich alle diese „neuen“ Formen der Begrüßung und der Kontaktaufnahme für ziemlich dämlich befunden. Aber auch lustig. So manche verspannte Situation, manche Unsicherheit wurde durch eine neue kreative Form der Kommunikation aufgelockert und so für alle Beteiligten einfacher.

Zu dieser Kategorie innovativer Kommunikation gehören vor allem die folgenden beiden Phänomene, die uns neue mimische und gestische Anstrengungen abfordern:

  1. Der Fußgruß
    Zum ersten Mal ist mir diese kleine Turnübung im Kindergarten gezeigt worden. Da Händeschütteln ja nicht mehr – wie gelernt – zum guten Ton gehört, werden jetzt zur Begrüßung und Verabschiedung kurz die Füße aneinander geditscht. Ob sich diese neue Begrüßungsformel durchsetzt, bleibt abzuwarten. Kleinkinder fallen dabei im Eifer des Gefechts schon mal um oder hauen dir einen blauen Fleck ans Schienbein… aber es macht auf alle Fälle Spaß!

Eng verwandt und bei Erwachsenen beliebter: der Ellenbogengruß. Kurz den Ellenbogen zur Begrüßung aneinander gerumpelt. Sicherheitsabstand inklusive. In einer Zeit, in der Körperkontakt in erster Linie als Ansteckungsrisiko gewertet wird, schon mal ein Anfang. Auf jeden Fall zaubert auch diese neue Begrüßungsformel ein Lächeln aufs Gesicht. Und das ist ja bekanntlich gut für das Immunsystem – also immer her damit!

  1. Das Augenbrauenkino
    Fast auf Null gefahren sind aktuell ja unsere mimischen Möglichkeiten… Die Schutzmaske vor dem Gesicht schluckt nicht nur das Genuschel des Gegenübers weitestgehend, sondern auch die unmittelbare Reaktion auf Gesagtes…
    Neulich in der Metzgerei hat mich folgender Kommentar einer Kundin aufhorchen lassen: „Man wird so unfreundlich mit dem Ding auf! Man sieht ja nicht, wie der andere reagiert. Das macht mich ganz aggressiv!“
    Vielen wird im Moment klar, wie viel wir von der Reaktion unseres Gegenübers normalerweise aus dem Gesicht ablesen. Werden wir freundlich behandelt? Gleichgültig? Abweisend? An der Mimik lassen sich Stimmungslagen schnell ablesen – und jetzt bleiben davon nur noch die Augenbrauen übrig.
    Im Laufe der Wochen werden wir uns daran immer mehr gewöhnen. Aber bitte! Bitte! Bitte! Werden wir bitte nicht gleichgültig und mimiklos! Es macht mehr Spaß, so viel wie möglich über die Augen zu kommunizieren. Ja, das ist anstrengend… Aber man kann auch mit Maske sehen, ob jemand lacht. Lachen siehst du in den Augen! Bitte, liebe Leute, nutzt die verbleibenden Mittel – schaut euch tief in die Augen und nutzt eure Stimme, damit unsere Umgebung eine Chance hat uns zu verstehen!

An manchen Tagen trauere ich meiner von Kindheitstagen an erlernten Etikette sehr hinterher: Hände schütteln, umarmen, vertraute Nähe.

Und dann gibt es wieder die Momente, in denen ich staune, wie kreativ und schnell sich neue Formen der Kontaktaufnahme und der Höflichkeit etablieren. Eben weil wir Menschen sind. Weil wir Kommunikation brauchen. Weil wir den Kontakt zu anderen brauchen. Weil wir ein Empfinden für Höflichkeit in uns aufgebaut haben und das auch leben möchten. Weil wir in unseren Mitmenschen nicht nur Ansteckungsrisiken sehen.

Das macht mich froh! Und zu einer begeisterten Fuß- und Ellenbogengrußanwenderin. Why not?

Alles Liebe!

Bildnachweis: Photo by Nick Fewings on Unsplash