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Ja, es geht wieder los – Lockdown, Homeoffice, Kinderbetreuungsnotstand… Es ist ja nicht so, dass wir es nicht haben kommen sehen, oder? Aber wenn es dann eintrifft – so wie jetzt – dann ist das doch nochmal was anderes.

Die Kinder freuen sich – verlängerte Ferien… mal ehrlich, das hätte mich früher auch gefreut… Heute erlebe ich bei dieser Ankündigung zwei Seelen in meiner Brust. Ich freue mich aufrichtig über den gewonnenen Freiraum. Ja, richtig gehört: Freiraum. Keine Stullen schmieren am Morgen, keine Handschuhe trocknen am Mittag. Zeit, gemeinsam das Weihnachtsfest vorzubereiten, vielleicht doch noch Lebkuchen zu backen und zu basteln. 

Aber auch ein großes Fragezeichen: Wie lange wird das wieder gehen? Was tun, wenn alles gebacken, gebastelt und bemalt ist. Wenn doch die Decke auf den Kopf fällt.

Und vor allem: wann die Zeit finden, die offenen To Do´s, Geschäftstermine, Meetings, Angebote, Jahresabschluss, Ablage und den ganzen Alltagskrempel zu erledigen? Wie arbeiten, wenn jetzt doch wieder die geregelten Zeiten einbrechen?

Das Netz ist voll von tollen Tipps zur Beschäftigung von Kindern – alles entstanden im Frühjahr, unserem Premiere-Lockdown. Und damals hab ich mir irgendwann auch gedacht: jetzt ist mal gut mit basteln.

Was mich jetzt mehr beschäftigt ist die Frage: wie ist es mit Kleinkindern und Kindern möglich, Zeitfenster zu schaffen, die für alle günstig sind. Wie weit kann ich von den Kurzen verlangen, dass sie sich mal selbst beschäftigen? Ohne Zank, ohne Tohuwabohu, ohne angemalten Esstisch? 

Ich werde den Fokus diesmal auf Selbstständigkeit setzen. 

Welche Aufgaben und Herausforderungen sind gerade groß genug, um noch zu begeistern und nicht zu entmutigen? Welche Projekte machen Spaß und fördern die eigene Kreativität, ohne zu langweilen oder zu überfordern? Was stärkt die Wahrnehmung der eigenen Selbstwirksamkeit und motiviert und zeigt: hey, ich bin dabei! Ich kann etwas tolles! Wem können wir in der Weihnachtszeit eine Freude machen? Mit einem Bild? Mit einem gebastelten Stern? Wem können wir einen Brief schreiben? Welche Aufgaben können wir uns teilen? Welchen kleinen Part können die Kinder übernehmen und stolz drauf sein, dass sie es allein geschafft haben?

Ich werde den Fokus diesmal auf Team setzen.

Wo brauchen wir einander? Wo können die Geschwister sich gegenseitig helfen? Wo braucht es Rücksichtnahme, wenn noch Aufgaben erledigt werden müssen? (Team „Stille Nacht“ sozusagen…)

Ich werde den Fokus diesmal auf Gemeinschaft setzen.

Wo können wir miteinander gestalten, damit wir ein schönes Weihnachtsfest feiern können? Was können wir gemeinsam draußen unternehmen, auch wenn das Wetter nicht mitspielt? Wie können wir aus dem Alltag noch mehr Gemeinschaftserlebnis machen? Bei welchen Vorbereitungen können die Kinder täglich noch mehr einbezogen werden? Essensvorbereitung? Großreinemachen?

Ist es nicht das, was Weihnachten eigentlich ausmacht? Gemeinsam Zeit zu verbringen? Zeit ins Miteinander zu investieren?

Ich werde den Fokus diesmal auf Balance setzen.

Selbstständigkeit fördern, Team stärken, Gemeinschaft erleben. Irgendwo zwischen diesen drei Pfeilern wird sich in den kommenden Tagen und Wochen eine Balance einstellen. Wenn sich zeigt, wo jeder seine Bedürfnisse hat. Wenn sich zeigt, wie lange die Zeitfenster für Büroarbeit in Wahrheit sind. Wenn sich zeigt, wie lange am Bild für die Oma tatsächlich gemalt wird. Wenn sich zeigt, wie viel Freiraum jeder für sich braucht. Wenn sich zeigt, ob das Picknick bei 3 Grad so eine gute Idee war. Wenn sich zeigt, wie gut der Plan funktioniert 🙂

Und am wichtigsten: ich werde den Fokus auf Offenheit setzen…

Dass vielleicht grade keiner Lust auf Selbstständigkeit hat, weil die Idee mit dem Puzzle vielleicht doch nicht für volle 20 Minuten gut war…

Dass vielleicht grade keiner Lust auf Team hat, weil dicke Luft angesagt ist…

Dass vielleicht grade keiner Lust auf Gemeinschaft hat, weil das Puzzle dann doch aktuell angesagt ist…

Dass vielleicht grade keiner Lust auf Balance hat, weil die Gewichte ungleich verteilt sind…

🙂 

Und wie erreiche ich diese Offenheit? Sie ist wahrscheinlich der wichtigste Baustein im Spiel der kommenden Wochen. Vielleicht sogar immer im Leben als Familie… Wie kann ich offen sein dafür, dass meine Planung nicht funktioniert? Wie kann ich offen sein dafür, dass keiner „mitspielt“?

Innere Offenheit erreiche ich dann, wenn ich selbst ausgeglichen bin. Wenn ich mir regelmäßig Gutes tue. Meine Gedanken positiv lenke. Zweifel offen ausspreche. Meine Emotionen beobachte. Von Perfektion abrücke. 

Eine große Aufgabe für alle Mütter und Väter, für alle Familien. 

Sorge für dich. Sei gut zu dir. 

+++

Und ja, planen werde ich mit den Kindern auch wieder. Mit der Garantie, dass nicht jeder Plan funktioniert. 

Und ja, dann wird es auch mal die Fernseh-Keule geben, wenn das Meeting noch läuft…

Und ja, es wird auch wieder Tage geben, an denen die Fetzen fliegen… Dann lassen wir sie fliegen und danach ist wieder Raum für Neues 🙂

Ich wünsche Euch allen von Herzen gute Corona-Ferien! Es ist auf jeden Fall eine Zeit, in der wir eine riesen Chance haben, unsere Familien, unser Zusammenleben und unsere Kommunikation weiter zu entwickeln.

Alles Liebe!

Gabi